Freitag, 30. Dezember 2016

Reingewaschen

Ein rhytmisches Poltern, Klackern, das leise Plätschern von Wasser. Kalter Fliesenboden, ein große Fensterfront mit Blick auf den grauen Himmel und die noch graueren Wolken.
Die Menschen, die hier sitzen, sind so grundlegend verschieden. Sie alle haben ihre Geheimnisse. Das einzige, das alle verbindet, ist das leichte Frösteln in dem zu kalten Raum und das Warten auf die Anzeige "Ende. Knitterschutz. Wäsche entnehmen" auf dem Display ihrer Maschine.
Ein Mann um die 50, gebräunte Haut, kurz getrimmte Haare, die von einer Baskenmütze bedeckt werden. Sein dicker Rollkragenpulli wird von einem Zopfmuster geziert. Er schaut grimmig, lächelt nicht, ist jedoch hilfsbereit zur Stelle, falls jemand nicht mit dem Bezahlautomaten zurechtkommt.
Er ist nicht das erste Mal hier, das verrät sein routinierter Umgang mit den Geräten, sein Blick in den Auffangbehälter des Trockners. Ich frage mich, was seine Geschichte ist. Warum er nicht bei Tee und Plätzchen im warmen Wohnzimmer sitzt, während er auf seine Wäsche wartet.
Ein Pärchen, beide um die 40. Sie korpulent, trägt eine rote Kurzhaarfrisur. Er - ein paar Zentimeter größer als sie, dafür aber ein paar Zentimeter weniger Haarpracht - hilft ihr dabei, die vielen Waschmaschinen mit ihrer gemeinamen Wäsche zu befüllen. Sie haben ihr eigenes Waschpulver dabei, eigenen Weichspüler, obwohl beides in den 4 Euro enthalten wäre, deren Besitz man an den Bezahlautomaten abtreten muss.
Piiiiiep. "Ende. Knitterschutz. Wäsche entnehmen". Nächste Station, Trockner.

Auch wenn ich nichts über die Menschen, die mit mir hier sind, weiß, so fühle ich mich als ein Teil von ihnen. Wir alle haben Gründe, weshalb wir hier sind. Bei dem Einen ist es vielleicht die kaputte Waschmaschine, die zuhause auf die Reparatur wartet. Bei der Anderen fehlt vielleicht das Geld, um sich selbige anzuschaffen.
Der Trockner stoppt. Keine Anzeige, aber die Wäsche ist fertig.

Auch das Pärchen ist inzwischen dabei die Wäsche zu trocknen. Die beiden fangen an, sich zu streiten. Es ging um wichtige Dinge; Darum ob der Trockner 10 Minuten länger laufen sollte, oder ob es nicht jetzt schon reicht.
All diese Menschen werden für mich wohl immer verschlossene Bücher sein. Doch ich glaube das ist irgendwie auch gut so. Ich mag es hier irgendwie.
Ich habe meine Wäsche zusammengefaltet und mache mich auf den Weg nach draußen.

Eine wildfremde Frau wünscht mir einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich erwidere die Wünsche und lasse mit dem Waschsalon ein Stückchen vertraute Unvertrautheit zurück.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Null.

"Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll."

Das kann nicht das Ende sein.
Ich mache mich nackt, ich beginne eine Psychoanalyse.
Denn besser muss es werden.

Mittwoch, 9. November 2016

It's a mess?

Mein Leben funktioniert; nach außen. Ich habe gute Noten in der Uni und engagiere mich ehrenamtlich. Ich bin meistens ziemlich geordnet und durchstrukturiert und meine Tage sind von morgens bis abends zugepackt, ich habe viel zu tun. Die meiste Zeit funktioniert mein Leben so gut, dass ich selbst glaube, dass alles gut ist.
Aber es kommen immer wieder stürmische Zeiten, die mich ins Wanken bringen und mir wieder bewusst machen, wie viel Dunkelheit in mir ist. Dann lese ich nachts wieder stundenlang Blogs - so wie in alten Zeiten - in der Illusion, dass mich das irgendwie zusammenhalten könnte.

Ich würde gerne sagen können, ich habe Angst vor dem Leben. Aber ich glaube ich habe einfach nur Angst vor mir selbst, vor dem ich, das Ich sorgfältig unter To-Do-Listen und Tagesabläufen beerdigt habe. Aber es ist nicht tot, es klopft am Sarg. Es möchte da raus.

Ich habe Angst;


vor mir?

Montag, 2. Juni 2014

Und vielleicht habe ich heute Abend gemerkt, was für ein großartiger Mensch mein Papa ist;
Wie wichtig es ist, für die Dinge zu brennen, die man tut;
Dass Erfolg auch aufrichtig möglich ist.
Dass man nicht abheben muss, wenn man ein Gewinner ist.
Dass vielleicht doch ein Stückchen Gerechtigkeit auf dieser Welt herrscht.

Die kleine Firma meines Papas steht gerade am Scheideweg. So wie bisher geht es nicht weiter und was kommt ist ungewiss. Aber ich bin so unheimlich stolz auf das, was er bisher geleistet hat. Ich habe mir heute das erste Mal Flyer und Zeitungsartikel und Berichte von ihm angesehen. Ich kannte das alles vorher nicht - weil er es nie von sich aus gezeigt hat.

Ich weiß nicht was die Zukunft finanziell bringt und ich habe großen Respekt davor. Aber für den Moment bin ich einfach nur wahnsinnig stolz. Wenn ich mein Leben wie mein Papa leben werde bin ich zufrieden.

Samstag, 10. Mai 2014

Das Leben läuft gut für mich und ich habe mein Ziel, einen Praktikumsplatz zu finden, erfüllt. Am Montag geht es los, 10-18 Uhr täglich bei einem MLP-Konkurrenten. Ich werde dabei sein, wenn Fonds und Versicherungen vermittelt werden und ich werde, wenn ich gut bin, Seminare selbst halten.
Aufsteigender Ast. Ich bin nun stellvertretende Vorsitzende bei der Jusos in meiner Stadt, ich komme weiter und ich werde geschätzt oder zumindest meine Arbeit. 

Meine Betreuung habe ich vor 2 Wochen beenden können, ich lebe nun alleine, habe meine Therapeutin nun fast 2 Monate nicht mehr gesehen. Es ist ein bisschen schaurig, dass ich mich nun an nichts mehr festhalten und -krallen kann, das mir Sicherheit vorgaukelt. Aber eigentlich macht erst das frei.

Ich habe große Angst vor dem Studium und den Nächten, die ich weinend vor meinen Unterlagen verbringen werde, weil ich nichts verstehe. Ich weiß, dass das kommen wird und dass das vor allem im Wing-Bereich so viele durchmachen müssen, ich weiß aber auch, dass man sich an das Lernpensum gewöhnt, wenn man das gröbste durch hat.
Ich weiß auf was für wackeligen Beinen momentan alles steht, ein grober Windstoß und ich gerate wieder ins taumeln. Gerade körperliche Wehwehchen lassen mich psychisch versumpfen. Ich merke das wirklich sehr schnell - Wenn ich krank bin, dann geht es mir nicht gut, wie vermutlich jedem. Aber es geht dann irgendwie immer weiter abwärts, ich esse mich voll und wünsche mir sekündlich, dass alles aufhört und die Welt stehen bleibt. Ich nicht mehr bin. Doch im gleichen Atemzug weiß ich zum Glück um dessen Irrationalität und darum, dass es vorbei geht und das Leben doch viel sonniger ist als es manchmal bei Regen erscheint.

Die Geschichte geht immer weiter.


Sonntag, 30. März 2014

Meine lieben,
ungefähr ein halbes Jahr ist es her, dass ich von mir habe hören lassen.

Es ist so viel geschehen. Ich habe mich von meinem damaligen Freund getrennt, schon im November. Die Trennung hat geschmerzt, wir waren schließlich über ein Jahr zusammen, aber sie war definitiv das Richtige.

Ich habe angefangen zu laufen, trainiere auf einen 9km-Lauf im Mai und auf einen Halbmarathon im Oktober. Ich möchte zum WS mit einem Wirtschaftsingenieur-Studium beginnen.
Meine Therapie läuft aus, alle 3 Wochen habe ich noch Termine. Meine Betreuung vom Jugendamt endet in einem Monat
Ich habe meinen Geburtstag das erste Mal seit 4 oder 5 Jahren gefeiert.
Jetzt bin ich 20 und mein Leben ist eigentlich wirklich gut zu mir. Aber ich habe große, große Angst. Alleine in dieser Welt, ohne Krankheit und Unterstützung. Aber es wird schon gut werden, es muss! Und das kann es auch.

Ich bin wieder da - Hallo. Hallo, an alle, die mich noch kennen.