Donnerstag, 30. August 2012

Das letzte Chef Einzel.
Die letzte medizinische Sprechstunde.
Das letzte Einzel.

Es hat schon wirklich etwas Melancholisches. Ich war noch nie mehr als 4 Monate außerhalb meiner Heimatstadt und jetzt soll ich dahin zurück.
Wieder dort einziehen, wo ich das größte Tief erlebt habe, wo ich meine Arme für immer verunstaltet habe.
Wieder in die Schule gehen, die viel zu viel mitbekommen hat.
In die Klasse, vor der ich Angst habe.

Aber nicht alles, das auf mich zukommt, ist schlecht. Und die Zeit hier in der Klinik war auch nicht super toll, auch wenn mein Gefühl mir das gerade verklickern will.

Ich habe auch echte Chancen.
Selbst wenn ich mit meiner Klasse nicht klar komme, das ist nicht die einzige Plattform, um Leute kennen zulernen. Ich möchte mit Basketball wieder anfangen, das ist Numero Uno. Dann noch die Jusos, Numero Due und evtl. auch Fahrschule, Numero Tre.
Na also, alles nicht so schlimm.

Meine Wohnung habe ich inzwischen total schön eingerichtet, wenn ich mich ein wenig am Riemen reiße, wird das schon klappen. Außerdem ist das ja eh nur ne Übergangslösung, bis ich einen WG-Platz gefunden habe.

Zahme Vögel träumen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen.

Mittwoch, 29. August 2012

Meine Therapeutin hier ist wirklich Gold wert.
Traurigkeit ist für mich nichts, was alltäglich ist und nach über 4 Monaten habe ich das erste Mal ein wenig davon mit ihr teilen können. "Ich glaube das ist ein großes Privileg, dass Sie mir davon erzählen. Danke dafür."
Ich finde es so schade, dass ich nächsten Dienstag entlassen werde, ganz abgesehen davon, ob ich glaube, dass ichs schaffe oder nicht. Die letzten Stunden konnte ich so gut mit ihr arbeiten und ich habe wirklich Vertrauen zu ihr fassen können.
Jetzt bleibt nur noch eine Stunde.

Und das ängstigt mich...

Montag, 27. August 2012

Ich finde es faszinierend, wie schwarz-weiß mein Denken ist. Geht es mir schlecht, kann ich mir die schönsten Gedanken machen, aber sie scheinen so aussagelos.

Was ich an diesem Wochenende zuhause gemerkt habe, ist, dass das Leben außerhalb der Klinik im Vergleich noch viel härter ist, als ich dachte.
Ich habe wirklich Bedenken, ob ich den Absprung jetzt schon schaffe.
Das Wochenende war.... nicht unbedingt grauenhaft, denn es gab auch positive Momente, aber ziemlich... heftig.
Ich habe gemerkt, wie mich Kleinigkeiten total aus der Bahn werfen, ich habe Achtsamkeit geübt und Enttäuschung gespürt.
Ich habe gemerkt, dass es mir schwer fällt Grenzen zu ziehen und ich hatte seit Langem das erste Mal (bzw. habe) diese beschissenen, übertriebenen kreisenden Gedanken bezüglich Kleinigkeiten, die ich falsch gemacht habe.

Wenn ich jetzt, auf der Heimfahrt drüber nachdenke, dass ich in eineinhalb Wochen wieder komplett zuhause bin, wird mir echt schlecht. Ich hätte am Liebsten schon heut Morgen den Besuch abgebrochen, mein Ticket hat aber leider Zugbindung.
Und wenn mich ein Wochenende schon so umhaut, wie wird das dann mit der Schule?

Ich fühle mich wie ein hoffnungsloser Fall. Ob ich das sein will? Vielleicht.
Auf der einen Seite möchte ich, dass mir einfach mal jemand sagt, dass mein Empfinden nicht total verrückt ist und es wirklich scheiße um mich steht, nur um dadurch einen Grund zu haben, völlig abzuschließen.
Dass das eine Flucht in Gedankenkonstrukte ist, ist mir bewusst.
Auf der anderen Seite möchte ich endlich aus dieser scheiße raus. Ich wünsche mir einfach, dass mir mal jemand glaubwürdig vermitteln kann, dass alles wieder gut wird. Oder wenigstens wieder gut werden kann...

Jetzt bleibt es mir nur noch, die Tage bis zur (vermeintlichen?) Katastrophe runterzuzählen.

Sonntag, 26. August 2012

Plötzlich werde ich wieder überfallen. Ich habe gerade einfach nur höllische Angst, vor meiner Entlassung, aber vor allem vor meinem Leben.
Ich pack den Alltag nicht allein, ich fühl mich so kaputt!

Und ich kann nichtmal unauffällig verschwinden, ich habe meinen gesamten Tag mit anderen Leuten zusammen verplant.

Der Freund von einer Klassenkameradin hat sich aufs derbste an mich rangemacht. Befummelt und geküsst, traurige Premiere für mich.

Ich bin so durcheinander, ich wünsche mir Halt.

Samstag, 25. August 2012

Es tut so gut im Zug zu sitzen, Nachrichten zu lesen, Musik zu hören und den angenehm warmen Kaffee im Bauch zu spüren, der schwarz so wunderbar intensiv nach Leben schmeckt. 2,80 für einen Becher Deutsche Bahn-Kaffee, aber das gilt es zu feiern, also gebe ich auch noch Trinkgeld drauf.

Ich fühle mich so herrlich normal. Ich freue mich auf zuhause, wirklich. Dieses Wochenende werde ich meine liebsten Freunde wieder sehen, dieses Wochenende wird die Vorbereitung auf meine Entlassung.

Nach Monaten harter Arbeit, sind solche Momente einfach nur Zucker.
Mir geht es noch lange nicht gut und geheilt bin ich schon gar nicht, aber nachdem ich vor einem Jahr noch meinte, mein Leben gleiche einer "sin(x) - x" Funktion, so kann ich jetzt sagen, dass ich dabei bin, die Kurve an der x-Achse zu spiegeln! :)

Dienstag, 21. August 2012

Mal wieder sitze ich in der Gruppe, mein Kopf pflaumt mich an: "Idiot", "Gefühlslegastheniker" und ich kann ihm nicht widersprechen, denn eigentlich weiß ich ganz genau, dass er recht behält.

Ja, ich hab mich entschieden, ich werde, sofern das Jugendamt mitspielt in betreutes Wohnen gehen. Ist ja nicht so, dass es schonmal daneben ging, nein. Ich finde das total super. Und ich bin geschockt wie besessen ich von Geld sein muss, wenn ich meine Gesundheit als weniger wertvoll einstufe.

Egal, egal, wir rennen grinsend ins Verderben, denn was sollen wir sonst tun? Ich und die Stimme in mir, die mich fertig macht, die Stimme, die in letzter Zeit wieder präsenter wird.

ich warte wirklich nur noch auf den nächsten Psychiatrie-Aufenthalt. Nein, ich habe gerade jetzt keine Hoffnung mehr. Auch der Baileys hat sie mir nicht einflößen können.

Sagt mir doch einfach, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, sagt es mir, anstatt mich zu quälen, indem ihr mir immer wieder ein schwaches Fünkchen Hoffnung implementiert, nur damit ich wieder zusehen kann, wie es in der kalten Umgebung meiner selbst wieswe erlischt.

Mir ist kalt, dabei hat es über 30° Außentemperatur.

Sonntag, 19. August 2012

Ich finde keine Worte mehr um zu umschreiben, deshalb nur kurz die Fakten:

- Verlängerung bekommen
- Station ist voller Vollidioten
- Soziale Phobie Expo-Tag erfolgreich absolviert
- Betreutes Wohnen, kostenlos vs. allein wohnen, kostenlos, vs. therapeutische WG, 130€/ Tag
- Keine Lust mehr
- Hitze
- Essanfälle
- Kopfschmerzen
- Absolut egal
- Hallo Phil

Montag, 13. August 2012

Ich glaub die Platte meines Lebens hat einen Sprung. Ich laufe mit lachender Fresse in die offene Klinge.

"Also nur weil sie jetzt nichts haben, wo Sie hin wollen oder können, können wir den Aufenthalt nicht mehr verlängern. Es gibt ja auch gar keine Therapieziele mehr, das können wir vor der Krankenkasse nicht rechtfertigen."

Na, wer ließt mich so lang, dass ihm das bekannt vorkommt?
Nur gut, dass mich niemand gefragt hat, wies mir geht und ob ich noch Ziele habe.

Und lasst mich raten, in 10 Tagen werde ich mich in meiner Einzimmer-Wohnung wieder finden und nach 5 Wochen, die ich dort versunken bin, darf ich die lieben Leute in der Psychiatrie wieder besuchen kommen.

Ich hab keine Lust mehr auf den ganzen Scheiß. Das ist so lächerlich. Alle haben sie mir gesagt: "Man wird nur entlassen, wenn man soweit ist oder nicht mehr mitarbeitet."
Ich muss einfach nur noch hämisch Grinsen. Ich kenne euer Spiel, ich kenne es.


Freitag, 10. August 2012

Es lässt sich so schwer beschreiben, dieses Gefühl, wenn jede einzelne Minute sich wie Kaugummi zieht und nicht mehr enden will.
Ich fühle mich total beklemmt und eingeengt. Ich habe Angst, dass es so weiter geht, dass dieses Gefühl nicht mehr weichen will und ich wieder einen Essanfall starte, nur um kurze Zeit Ruhe davon zu haben.

Ich will in diesen Momenten einfach nur noch, dass ich tief und fest schlafen kann, von mir aus bis zum St. Nimmerleinstag.

Kann nicht still sitzen, will mich nicht bewegen, endloser Kampf mit mir selbst.

Mittwoch, 8. August 2012

Still bin ich, weil meine momentane Situation den Mund verschließt und meine Hände fesselt.
Mein Tag besteht aus kaufen, essen und schlafen, ich bewege mich nur zwischen Dysfunktionalitäten hin und her.
Ende August soll ich entlassen werden, Anfang September wieder in die Schule gehen.
Die Einrichtung, in die ich wollte, müsste ich mit meinem eigenen Vermögen finanzieren, 133€ pro Tag, anberaumte Aufenthaltsdauer liegt bei einem Jahr. Dafür, dass ich nicht mal weiß ob es mir wirklich hilft, ne ganze Menge.
Ich hab da abgesagt.
Jetzt muss ich warten, bis meine Sozialarbeiterin vom Jugendamt aus dem Urlaub zurück kommt, das ist genialerweise erst am 10. September.
Got the problem? Genauuu, ohne sie läuft nichts, aber auch gar nichts in Richtung Finanzierung.
Und nu? Selbe Scheiße von vorne? Wieder in meine EZW, um nach 5 Wochen in der Psychiatrie zu landen?

Mir macht das so einen Druck, dass ich mich schon jetzt frage, wie das mit dem Notendruck in der Schule werden soll... das kann ja heiter werden.

Sonntag, 5. August 2012

"Wach auf", möchte ich mir am Liebsten selbst zuschreien und mich durchrütteln.
Es gibt so viel Schönes im Leben, gottverdammt, man braucht keinen höheren Sinn, um glücklich zu werden. Leb den Moment! Geh feiern, iss, lass dich einfach mal emotional fallen. Probier etwas Neues aus, statt die Destruktion zu perfektionieren.

Ich würde mal wieder alles so gern umschmeißen: Die Klinik abbrechen, in eine neue Stadt ziehen und einfach leben. Lebendigkeit schmecken.



Ich möchte meine Ängste überwinden, lernen, lieben und mich lieben lassen. Grenzen ausreizen, Dummheiten machen.

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, 
im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. 
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, 
ich würde mich mehr entspannen, 
ich wäre ein bischen verrückter, als ich es gewesen bin, 
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen, 
ich würde nicht so gesund leben, 
ich würde mehr riskieren, 
würde mehr reisen, 
Sonnenuntergänge betrachten, 
mehr bergsteigen, 
mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen, 
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten; 
freilich hatte ich auch Momente der Freude, 
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, 
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. 
Falls du es noch nicht weisst, 
aus diesen besteht nämlich das Leben. 
Nur aus Augenblicken; 
vergiss nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte, 
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. 
Und ich würde mehr mit Kindern spielen, 
wenn ich das Leben noch vor mir hätte. 
Aber sehen Sie ... ich bin 85 Jahre alt und weiss, 
dass ich bald sterben werde.
- Jorge Luis Borges,  "Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte..."

Es weckt Sehnsüchte.
Ich will, begehre diese Unbeschwertheit.
Ich will mehr länger krank sein.
Ich will leben.
Ich will Spaß haben.

Wieder mal ein Motivationsschub. Vielleicht klappt es ja diesmal. Und wenn es nur ein bisschen klappt - Jedes mal ein Schritt vorwärts. Immer ein bisschen besser, als noch einen Monat zuvor. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Aber das ist es wert!

Menschen, die loslassen, sind oft die glücklichsten.

Das Auf und Ab geht weiter. Ja, es gibt auch Aufs. Ich kann davon nur leider nicht authentisch erzählen, weil grade alles wieder in Dunkelheit getaucht ist. Aber ich werde diese Gefühle definitiv auch bald mal zu Papier bringen.

Die Sinnfrage überfällt mich im Moment wie ein riesiges Monster, plötzlich ist alles wieder sinnlos. Wozu rausgehen, wozu Spaß haben, wozu gesund werden?
Gesundheit - Das ist doch eh Utopie. Das kann ich nie erreichen.
Dieser Glaubenssatz fühlt sich wie in Stein gemeißelt an und nimmt mir alles... wenn auch nur temporär.

Wozu dem Essdruck widerstehen? Wozu auch nur noch irgendetwas tun? Warum nicht alles beenden?

Ich bin von mir selbst unheimlich genervt, ich kenne diese Gedanken alle so, so, so gut und ich weiß ganz genau, dass das wieder vorbei geht, aber mein Verstand hat keine Kontrolle über meine Gefühle. Da kann mir keiner helfen, nicht mal meine Therapeutin. Und das tut unheimlich weh. Ich fühle mich so allein und mir selbst ausgeliefert.

Freitag, 3. August 2012

Und plötzlich bricht wieder alles ein. Mir ging es heute morgen gut, ich war optimistisch, hatte ein motivierendes Einzel und habe mich fest dazu entschlossen, der Einrichtung heute zuzusagen.

Dann hab ich die Mail von meinem Vater gelesen - Die Jugendhilfe wird nicht vom Staat finanziert, sondern von MEINEM Vermögen. Ich hab um die 40.000 und die 3000-4000€/ Monat gehen erstmal davon ab. 1 Jahr Mindestdauer. Super.
So oberflächlich es sich anhört: DAS will ich nicht. Dann wohne ich lieber allein und zerbreche, als dass ich das Risiko eingehe, dass mir die Einrichtung auch nicht hilft und ich dann nicht nur noch psychisch am Arsch bin, sondern auch noch blank.

And here we are: back down to earth

Es fühlt sich an, als ob mir etwas entrissen worden wäre... dabei besaß ich es nie.

Mittwoch, 1. August 2012

Meine Gefühle spielen verrückt... vom Hoch ins Tief, wieder aufwärts, nur um wenige Minuten später wieder die Talfahrt anzutreten.

Freudig, gleichgültig, überrascht, optimistisch, zickig, hoffnungslos, kalt, liebevoll, gleichgültig - das war ich an diesem seltsamen Tag.

Ich habe eine Einrichtung besichtigt, die mir abgesehen davon, dass sie 45 Minuten von der nächsten Großstadt entfernt ist, wirklich zusagt. Aber ich bin Stadtkind! Wenn ich doch sowieso Probleme habe, Freundschaften zu pflegen und meinen Tag zu gestalten, wie soll das dann in der Pampa werden?
Bis Montag soll ich mich entscheiden.

Der Rest des Tages nervt mich einfach nur an.
Meinen Verhaltensmustern, die ich doch so gut als falsch identifizieren kann, verfalle ich trotzdem.
Meine Eltern hab ich mal wieder wie in "guten alten Zeiten" schön zur Sau gemacht. Dabei waren die auslösenden Sätze wirklich Kleinigkeiten, von denen mir selbst in der Situation klar war, dass sie nur so eine Wirkung auf mich haben, weil mein Selbstwert so unterirdisch ist.


Ich fühle mich mir selbst teilweise wirklich ausgeliefert. Die Diskrepanz zwischen meinem Wissen und meiner Gefühlswelt ist so riesig und ich kann dagegen nichts tun! Die reflektiertesten Gedanken bringen mir absolut nichts, wenn meine Gefühle mich übermannen. Das ist langsam wirklich nur noch Eines: ernüchternd.