Sonntag, 18. August 2013

Ein Sonntag-Nachmittag, graue Wolken bedecken den Himmel und Staub und Dreck meinen Zimmerboden.
Ich fühle mich so unheimlich bedeutungslos. 
Ich könnte mit meinem Freund und seiner Mutter Essen gehen - Aber ich kann mich nicht motivieren.
Alles Wurst, keine Lust auf nichts.

Ich habe keinen Plan für mein Leben. Würde zwar gerne irgendwie ins Ausland, aber tue nichts dafür, habe auch zu viel Angst, wieder einen psychischen Einbruch zu haben.
Will Medizin studieren, der Anerkennung wegen, möchte Wirtschaftsingenieurwesen studieren, des Geldes wegen.
Tolle Pläne, ich spüre richtig das Feuer, das in mir aufflackert, wenn ich an meine Zukunft denke.

Wirklich, da ist nichts. Keine Begeisterung für irgendetwas. Nur ein grauer Tag, der dem nächsten folgt und zwischendurch Tage mit maßloser Erschöpfung. Nicht schön. Kein schönes Leben... aber zu faul um was zu ändern. Tz.

Freitag, 16. August 2013

Quarkzopf, Käsekuchen, Butterbrezeln - Minderwertigkeitsgefühle wegessen funktioniert nur in Maßen.
Verantwortung lastet schwer, keine Verantwortung noch schwerer.

Dienstag, 6. August 2013

Aha, ich auf Plakaten in meiner Stadt, Großfläche - neben unserem Bundestagskandidaten.
Pretty weird. Einerseits bin ich stolz, dort hängen zu dürfen, auf der anderen Seite schäme ich mich - für mich selbst. Nicht, dass ich auf dem Bild schlecht aussehe... aber es bin ich.

Ich, die Person, die ich seit Jahren bekämpfe. Mit Essen, Kotzen, Hungern und Verletzen.

Ich weiß manchmal gar nicht mehr, ob ich mich überhaupt gut fühlen möchte. Bin ich nicht lieber unglücklich und arbeite auf das Ende hin? Ich fühle mich schuldig, weil ich die Leute, die mich gern haben damit fertig mache. Ich fühle mich schuldig, immer noch in Therapie zu sein, obwohl ich so sehr gegen mich arbeite.
Bah.

Verwirrender Post, seltsames Leben. Vielleicht wache ich irgendwann auf und bin wieder in der Realität, bis dahin: Hallo, liebes Paralleluniversum.

Freitag, 2. August 2013

Nach gefühlt unendlich großer Distanz zwischen mir und meinem Freund hatten wir gestern eine gemeinsame Sitzung bei unserer Therapeutin. Etwas seltsame Situation, dass sie uns beide so gut aus der Therapie kennt, aber genau das hat die Möglichkeiten dieser Sitzung auch auf ein ganz anderes Level gebracht.

Es hat unheimlich gut getan. Ich kann das gar nicht genau beschreiben, wie es abgelaufen ist. Anfangs war ich komplett verschlossen, konnte meinem Freund nicht mal in die Augen schauen. Mit viel innerem Kampf haben wir beide unser bestes gegeben, um miteinander mal wirklich wieder zu reden. Darüber, was uns nervt und darüber, was wir uns wünschen - ohne für den anderen mitdenken zu wollen.
Es ist so grotesk, aber in diesem Punkt auf sich selbst zu achten hat uns emotional wieder viel näher gebracht, obwohl wir einander zuvor nur vor dem anderen beschützen wollten.
Irgendwie ist da wohl echt ein Knoten geplatzt, das befreit unheimlich und das wirkt sich auf meine komplette Gefühlswelt aus. Ich war sowas von emotional am Ende, als ich bei meiner Therapeutin ankam (zuerst hatte ich ein Einzel, dann kam mein Freund dazu), sodass schon wieder die Überlegung aufkam, ob ich sofort zurück in die Klinik gehe - und verdammt, gerade ist es wieder so viel aushaltbarer. Es ist bei weitem nicht gut oder schon gar nicht super, aber sehr viel leichter zu ertragen.
Keine Angst mehr vor der Beziehung, keine Angst mehr vor dem Aus der Beziehung. Vertrauen wiedergefasst. Ich bin so froh!

Sonntag, 28. Juli 2013

"Ich halte das nicht aus"

Immer wieder infiziert dieser Gedanke meinen Kopf. Ich habe keine Ahnung was los ist - Ich weiß nicht mal was ich so unaushaltbar finde, aber es macht mich so fertig. Vielleicht ist es einfach die Welt. Wohl eher bin es ich selbst.
Ich habe meine Pflichten für heute getan, ich wollte nur noch schlafen, stundenlang, doch stattdessen finde ich mich wie ein Junkie vor dem PC wider, mir triggernde Scheiße anschauend. Ich weiß nicht warum ich das mache.
Ich habe meine Tabletten aus Faulheit seit 2 Tagen nicht mehr genommen. Ich weiß wie sehr mich sowas auf Dauer abstürzen lassen kann, doch irgendwie gefällt mir der Gedanke. Selbstgeißelung, bis zum bitteren Ende. Mich fesselt weniger der Wunsch, gesund zu werden, als die Sehnsucht, mich zu zerstören. Krank sein, krank handeln. Krankheit ist grausam, grauenhaft, doch scheint so viel leichter, als sich dem Leben zu stellen.
Ist es pervers, Leiden schön zu finden? Höher ästhetisch? Erstrebenswert?
Nachtgedanken.

Warum kann ich die Krankheit nicht gehen lassen, warum WILL ich nicht?

Ich bin wieder nur am essen. Ernsthaft, wie noch vor einem Viertel Jahr - Essen, um Frust auszuhalten, Essen, weil die Welt zu viel ist.
Ich bin müde, will einfach nur schlafen - aber gewiss ist: Morgen gehts wieder um 9:30 raus um meine monströsen Aufgaben zu erfüllen. Einfach weil alle es von mir erwarten, weil ich denke, dass ich muss.

Schlafen, schlafen, nie mehr aufwachen - Jemand meinte mal, dass der Wunsch nicht mehr zu leben noch zerreißender ist, als der Wunsch zu sterben, da letzteres wenigstens umsetzbar ist.

Mein Kopf spuckt nur noch Scheiße aus, hat jemand den Aus-Schalter gefunden?

Mittwoch, 24. Juli 2013

Zwischen Magersuchts-Dokus und Supersize vs Superskinny-Folgen ist irgendwie mein Tag verpackt. Meistens arbeite ich 3-4 Stunden und versuche dann jeglichen Leuten in meinem Umfeld zu entkommen.
Essen - schwierige Sache. Am Wochenende hatte ich den totalen Fressfilm, nachdem ich bei einem Frühstück mit meinen Eltern "zu viel" gegessen habe. Tja, seit Montag bin ich dann wieder auf der Minimaldiät.

Mein Freund hat angerufen, er hat seine Hausarbeit nach über 8 (!!!) Monaten mal fertig bekommen und gerade in den Briefkasten geschmissen. Jetzt will er deswegen mit mir ne Runde feiern, dabei weiß er gar nicht wie wenig ich doch gerade feiern möchte ;D

Trist, trist, ich wünschte ich hätte besseres zu berichten.

Freitag, 19. Juli 2013

Die Menschenmasse raunt. Wortmeldungen, die mir mitteilen, dass mein Antrag "verfehlt", "unangebracht" oder zu wenig feinfühlig sei, erreichen mich.
Das Thema, das ich eingebracht habe ist höchst umstritten, aber mit so einer vernichtenden Rückmeldung habe ich nicht gerechnet. Ich ziehe meinen Antrag zurück, mir wird versichert, dass das Thema an anderer Stelle aufgegriffen wird. 
Ich kann die Tränen nicht zurückhalten, sie fließen, mir wird alles zu viel.
Leute sagen mir, wie mutig das von mir gewesen sei und mit jedem aufmunternden Wort schluchze ich mehr. Manchmal ist einfach alles zu viel. Die Mangelernährung macht mich so unheimlich weinerlich, ich habe in 2 Wochen jetzt verdammte 2 Mal in der Öffentlichkeit geweint - Das ist mir zuvor bestimmt 5 Jahre lang nicht mehr passiert.
Ist das ein Fortschritt? Komme ich besser an meine Gefühle heran? Oder liegt es einfach nur daran, dass die Situation so anstrengend ist, wie sie sich momentan darstellt?

Der anschließende Abend bei meinem Freund war auch eher ein Krampf - Mir fällt körperlicher Kontakt gerade SO schwer! Ich möchte nicht, dass mein Körper erregt ist oder irgendjemand anderen erregt. Es ekelt mich momentan geradezu an und ich weiß nicht, weshalb. 
Dass ich mich in meinem Körper unwohl fühle ist ein weiterer Faktor, aber der ist ja altbekannt.

Ich drücke mich momentan vor Übernachtungen bei ihm. Ich möchte mich zurückziehen, keinen Körperkontakt und stattdessen in meiner kleinen eigenen Welt versinken. Ich schaue den ganzen Tag so Scheiße wie "Supersize vs Superskinny", beschäftige mich mit Essen.

Ich weiß echt nicht, wo ich überhaupt anfangen soll, dagegen anzukämpfen. Die Front an der ich kämpfen sollte ist so breit!

Donnerstag, 18. Juli 2013

Leben - ein Update-Versuch

Es passiert viel zu viel. Ich möchte diesen Blog wieder erwecken, ihn nicht nur mit Gelegenheitsposts am Leben erhalten. So vieles spielt sich ab, so wenig wisst ihr von mir, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, jedes Ereignis bräuchte weitere 10 Posts, damit ihr die Hintergründe kennt und überhaupt verstehen könnt, was in mir vorgeht.

Fangen wir also kurz an:
Ich werde heute einen Antrag bei einer Konferenz der SPD einbringen. Ich muss also vor gut 100 Leuten reden und das obwohl ich riesige Redeangst habe. Ich bin gespannt, wirklich. Und ich habe Hoffnung, dass es gut läuft, ein Funke, den ich mir bewahren konnte. 

Ansonsten bin ich derzeit Praktikantin bei unserem Bundestagskandidaten, bin am hin- und herflitzen und doch bleibt mir Zeit übrig - Die ich gar nicht haben möchte. 
Die Leere holt mich dann wahnsinnig schnell ein, mein derzeitiges Instrument der Wahl dagegen ist das Hungern. 
Ich hatte früher mal eine leicht anorektische Phase, habe nun eine atypische Bulimie (ich esse nur restriktiv + Essanfälle, erbreche nicht) diagnostiziert bekommen.
Irgendwann während meinem Klinikaufenthalt hat es den Schalter umgelegt, der Essdruck wurde durch SVV-Druck ersetzt, die Restriktionen wurden immer härter. 
Abnehmen ist in Ordnung, ich war bis vor kurzem 24kg über meinem Tiefstgewicht, momentan schmilzt das Fett aber wieder. 
Zu radikal - Ich weiß das, aber es tut so gut, dieses Gefühl von "es geht also doch" wieder zu haben. Bis jetzt sind 10kg weg, es soll weiter gehen, bis 55kg - bei 1,73. Noch Normalgewicht, gerade so.

Nebst Essstörung und Praktikum habe ich momentan etwas Stress mit meinem Freund. Ich habe einige Macken - Ich hasse Zeitdruck und Planabweichungen - und mein Freund ist einfach Chaos pur, er arbeitet seit einem halben Jahr an seiner Hausarbeit und verschläft, kommt zu spät usw. Konfliktpotenzial! So kommt es, dass ich mich des Öfteren einfach nicht ernst genommen fühle, weil er das einfach nicht auf die Reihe bekommt. Er versteht mein Problem damit nicht und sieht daher auch keine Schuld bei sich. 
Da sich so Kleinkram in letzter Zeit gehäuft hat und es ihm egal war, fühle ich mich nicht wirklich ernst genommen. Ich kann dabei gar nicht sagen ob ich überempfindlich bin oder er einfach wirklich etwas "careless" ist. 
Gnirf. 

Die Zeit rennt langsam, ich muss zur Konferenz. 

Es tut mir Leid, dass der Post so wirr geworden ist - ein kleiner Versuch, alles hier mal upzudaten. 

Sonntag, 14. Juli 2013

Ich habe das Gefühl, jeden Moment zu platzen - Ich stehe so unter Druck, ich weiß nicht wohin mit mir. Am Donnerstag wurde ich vorzeitig entlassen, da mein Praktikum beginnt. 
Aber statt dem Gefühl des Gebraucht-Werdens stellt sich nur Sinnlosigkeit ein. Ich weiß nicht wohin mit mir an diesem sonnigen Tagen, alles scheint so wahnsinnig stupide und ich komme mir vor wie Abschaum.

Es ist so schwer auszuhalten... 

Samstag, 15. Juni 2013

Woche 7 in der Klinik hat begonnen.

Ich habe spontan eine Belastungserprobung genehmigt bekommen und habe daraufhin freudig meinen Freund angerufen. Er meint die Beziehung belastet ihn - ich würde alles als selbstverständlich wahrnehmen. "Du musst dir auch mal Mühe geben." Ich solle nicht so schlecht gelaunt sein, wenn ich mit ihm Zeit verbringe, das sei ich ja auch nicht, wenn ich mit anderen unterwegs bin.

Ich, baff, bekomme nur noch abgehackte Rechtfertigungen raus.

Der Punkt mit der schlechten Laune geht an ihn. Aber was soll ich dagegen tun? Krampfhaft Lachen?
Und sonst geht es ihm um den körperlichen Kontakt - Es geht einfach nur um Sex!
Ich fühle mich grottig und unwohl in mir und blocke was das angeht ziemlich ab, das kekst ihn wohl an. Ich hatte eine Zeit in der das besser ging, in der ich mich auch fallen lassen konnte, aber momentan funktioniert das nicht. "Von Vermeidung wirds auch nicht besser"' meint er.

Die ganzen Dinge, die er sonst mit seinen Freundinnen gerne gemacht hat, würde ich ja auch nicht mitmachen wollen. Stimmt, ich möchte gottverdammt nochmal nicht baden gehen, denn mein Körper ist massakriert!

"Hab ich dir schon gesagt, dass ich wieder Tavor verschrieben bekommen hab? Weils mir momentan wieder schlecht geht."

Ist das jetzt eine subtile Anschuldigung? Herzlichen Glückwunsch, hat gut funktioniert.

Ich weiß nicht, was ich davon halten und was ich tun soll. Ich bin versucht, die Beziehung einfach hinzuschmeißen. Heute Abend kommt die "Aussprache".

Donnerstag, 16. Mai 2013

Ich male ein schreiendes Gesicht.
"Wollen Sie nicht am Gemeinschaftsprojekt mitarbeiten?"
Nein, ich will nicht. Ich grinse das hämische Grinsen, das ich selbst so verabscheue, das an Arroganz wohl kaum zu übertreffen ist und male mit.

"Du schaust so traurig aus!"
Ich bin nicht traurig. Ich bin nie traurig.

Dienstag, 7. Mai 2013

"Every sky is blue but not for me and you."

Es ist nicht "The Force of Circumstances", wie wir es brav fürs Abi gelernt haben, die Umstände sind nämlich super.
Es hängt im Inneren, ich will nicht loslassen, vielleicht ist es noch besser so? Ich habe mich heute Mittag gequält, ich hatte nichts zu tun und genau das hat mich fertig gemacht, die Anspannung war kaum auszuhalten. Mein erster "Lösungs-"Gedanke: Shoppen
Schlechte Idee, davon will ich ja wegkommen. Essen. Mindestens genauso schlecht.
Also marschiere ich im Stechschritt zur Kunsttherapie und hole mir davor noch einen Tee, in der Hoffnung, dass der mich etwas runterbekommt.
Zwischen der Kunsttherapie und dem Jetzt liegen in ekligem, stinkendem Fett frittierte Pommes und weitere Leckereien.

Gerade schreibe ich euch von einer sonnigen Bank an einem Bach und ich muss einfach nur hämisch Grinsen.
Wieder die alte Leier, wieder eine Verhaltensanalyse schreiben, dabei könnte ich die letzten ohne Änderungen kopieren.
Diese Art von Grinsen finde ich so absurd, ich kann mich damit selbst nicht mehr ernst nehmen. "Wenn dir das Lachen noch nicht vergangen ist..."
Und genau dieser Gedanke treibt mich in immer ausartendere Selbstzerstörung, nur um mir zu beweisen, wie sehr ich mich hasse.
Um mir zu zeigen, dass ich diese Behandlung in Anspruch nehmen darf.
Oh, bei diesem Gedankengang wird meine Lache noch etwas breiter. Es ist ja schon fast, als würden 2 Charaktere in mir vereint sein, die permanent bewerten,
kommentieren, agieren.

"You're always ahead of the game, I drag behind."


Montag, 6. Mai 2013

Dingdong, 19:15.
Komasaufen mit Orangensaft, wie viel geht noch? Ach, ein halber Liter passt noch, noch einer, noch einer!
Friedenweiler hat nichtmal einen Supermarkt und in der Kantine der Klinik ist während der Essensausgabe kein unbemerkter Essanfall möglich - also nehmen wir doch die lieben, 24/7 zur Verfügung stehenden Säfte, yay.

Ich fühl mich so lachhaft hier. Ich bin nicht mehr so krank wie damals. Mir geht es nicht mehr so schlecht, wie es den meisten anderen hier und trotzdem strebe ich das Negative an. Ich bin klar im Kopf, nicht mehr verschleiert und vernebelt.
Ich würde mich trotz oder gerade deswegen so gerne wieder in die Arme der Medikamente fallen lassen, ich möchte benebelt in der Welt der Benzodiazepine umherwandeln. Das wäre so viel einfacher. Keine Probleme mehr mit Sexualität, keine Studienwahl, kein Haushalt mehr, der geführt werden muss. Ich mache genau dasselbe, wie der Rest der Gesellschaft. Ich verkläre die Depression, mystifiziere sie und romantisiere sie.
Der Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zu den meisten ganz genau weiß, wie sie sich anfühlt.

Oh, ich wünschte, ich könnte die Vergangenheit gehen lassen, ich wünschte, ich könnte Altes loslassen.
Noch ein Gläschen O-Saft, Cheers.

Freitag, 3. Mai 2013

11:00 Ankunft im 200-Seelen-Dorf Friedenweiler. Klinikzeit. Der Atersschnitt hier ist bombastisch, ich hab bis jetzt genau eine Person gesehen, die auch nur annähernd in meinem Alter ist, schätze ihn so auf 25 - die Sympathiewerte für ihn halten sich stark in Grenzen.

Ich weiß echt nicht, was ich hier tun soll, heute, an meinem ersten Tag, darf ich nichtmal das Klinikgelände verlassen.
Stimmung kriecht am Boden entlang, hoffen wir mal, dass meine Depression den Braten nicht wittert.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Kann man überhaupt schön sein, wenn man so vernarbt ist, wie ich?
Mein Gewicht ist variabel, meine Blässe weicht Sonnenstrahlen, meine Narben bleiben.
Ich will nicht immer wieder diese "böse Überraschung" offenbaren müssen.
Ich fühle mich für mein Leben entstellt, so hässlich, unwiederbringlich ist sie, meine Unversehrtheit...

Montag, 22. April 2013

"Alles nicht so toll [...]. Magali ist auch wieder in der Psychiatrie"

Magali ist eine Bekannte, ich habe kaum etwas mit ihr zu tun, eine Klinikbekanntschaft.

"Ohje, die Arme", viel trockener hätte ich wohl nicht antworten können. Da sollte wohl Sorge und Mitgefühl in mir aufsteigen oder auch einfach gar nichts, weil wir so wenig Kontakt miteinander haben, doch nichts davon, auch keine Freunde darüber, dass es mir so gut geht, schlichtweg Neid.
Ich finde das wirklich beschämend - Warum bin ich neidisch auf Personen, denen es schlecht, wirklich schlecht, geht? Ist es die Aufmerksamkeit, die man in der Psychiatrie bekommt? Man bekommt kaum welche.
Vielleicht sehne ich mich einfach nach diesem melancholisch-vertrauten Gefühl der Depression, so paradox es auch klingen mag, dieses Gefühl hat mir irgendwie in der ganzen Sinnlosigkeit auch das helle Licht am Ende des Tunnels aufgezeigt, zu meinen schlimmsten Zeiten war es ganz einfach der Tod.

Klingt hart, ist hart... ich möchte das nicht mehr. Ah, halt, lasst mich in den Satz ein eigentlich einfügen, dann unterschreibe ich euch das.

Ich würde so gerne in meinem Innersten graben und nach Antworten suchen, ich stehe nur immer wieder vor einer weißen Wand. Ist da so viel Schlimmes auf meinem persönlichen Seelenfriedhof?

Irgendwie ist alles nicht so genial, wie ich mir das manchmal wünsche und wohl auch einrede. Nur weil ich inzwischen ziemlich gut darin bin, meiner Außenwelt zu signalisieren, dass alles in Butter ist, so sprichen mein Körpergefühl, mein Verhalten in der Beziehung (DistanzDistanzDistanz!) und mein Essverhalten doch eine andere Sprache.

Wie zur Hölle bekomme ich diese Blockade durchbrochen? Ich will mir nicht mehr selbst fremd sein, ich möchte mich kennen lernen und für mich Sorgen, meine beste Freundin oder mir mein eigener Aufpasser sein, aber wie zur Hölle soll das funktionieren? Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich daran etwas ändern kann.

Freitag, 12. April 2013

"Man kann nicht nur traurige Lieder sing'n" - Sportfreunde Stiller

Oh, wie sehr ich dieses Auf und Ab auch hasse, ich bin so dankbar dafür, dass ich mir wieder erlauben kann, glücklich zu sein.
Ich hasse mich nicht mehr für das Kribbeln in der Brust, wenn ich die Welt für Momente einfach nur liebe!

Deutschabi lief beschissen und mir ging's danach auch beschissen.
Mathe gestern war allerdings endlos geil!
Montag Englisch, Dienstag Physik.

Freiheit, Freiheit, ich renne dir mit offenen Armen entgegen! :)

Dienstag, 9. April 2013

Primaballerina, schwerelos - tapsende Tonne, den Kräften der Gravitonen ausgeliefert.

Manchmal weiß ich gar nicht, wie mir geschieht, es gibt Tage, die sind einfach nur wunderbar, wenn auch unperfekt, aber ich fühle mich gut und das zählt. 
Dann kommen wieder Tage, die mit einem zerstreuten Aufwachen in verschwitzten Klamotten beginnen, an denen die erste Amtshandlung der Gang zum Kühlschrank ist, um anschließend mit meiner Beute wieder unter der Bettdecke zu verschwinden.
Ich hasse diese Willkür, ich fühle mich dem Geschehen ausgeliefert, als ob ich nur die Marionette irgendeiner höheren Instanz wäre, die mich an ihren Fäden hat. Deren Launen ich ausgeliefert bin.

Morgen beginnt die schriftliche Klausurenphase fürs Abi mit Deutsch.
Momentan fühle ich mich absolut nicht dazu in der Lage, mich 6,5 Zeitstunden der Liebeslyrik hinzugeben. Ich kann nur hoffen, dass die Welt morgen wieder besser aussieht, bzw. der blaue Himmel und die strahlende Sonne draußen langsam auch mein Gemüt durchdringt.

Ansonsten habe ich heute auch noch festgestellt, dass meine Periode seit knapp einer Woche überfällig ist, was mich ja unheimlich beruhigt, es gibt doch nichts schöneres, als mit 19 Jahren schwanger zu werden.
Hoffen wir, dass es nur der Stress ist. 
Achja und ich habe festgestellt, dass mein Gewicht jetzt offiziell präadipös ist, juhu! Das ist noch ausbaubar, Adipositas Grad I, ich komme.

Also gut, versuchen wir den Tag noch irgendwie erträglich zu machen....

Donnerstag, 4. April 2013

Mein Leben ist gerade so wunderbar normal. Wie das Leben einer Abiturientin, 1 Woche vor ihrem Abi.

Ja, gerade merke ich gar nicht, dass mir sonst doch noch so viele Brocken im Weg liegen. Oder sind es nurmehr Kieselsteine, geschliffen vom Wasser, das die Flut gebracht hat?
Vielleicht war das "Land unter" wichtig für meinen Weg, meine Entwicklung.

Gerade jedenfalls, habe ich wirklich wenig Grund zur Klage.
Morgens stehe ich nach ewigem Wecker-Ausdrücken auf und frühstück noch schlaftrunken etwas mit meinem Freund. Fahre mit meinem neuen türkisen Hollandrad, das ich so heiß und innig liebe, der Sonne entgegen und stelle es an der Mauer der Unibibliothek wieder ab. Finde mich kurz darauf in Lesesälen mit schönen hellen Holztischen und riesigen Fensterfronten wieder, schmeiße meinen halben Tascheninhalt auf den Tisch, um meine Geldbörse zu finden und mir einen Automaten-Cappuccino zu holen. Milchpulver-Geschmack in den letzten Schlücken, Klangkarussel im Ohr, lernen.
Irgendwann abends bei mir zuhause vorbei fahren, meine Sachen in dem riesigen Chaos abladen, Unterwäsche einpacken und meiner ungemütlichen WG den Rücken zuzukehren.
Abendessen mit meinem Freund kochen, müde werden, müde vom Tag.

Irgendwie ist gerade alles so wunderbar. Ich liebe es zwischen Studenten zu sitzen und zu lernen, ich liebe es, Mathe- und Physikaufgaben zu lösen.
Ich liebe es überall nur nie daheim zu sein. Irgendwie ist mein Leben gerade so wunderbar spannend, so absurd das bei der Lernerei klingen mag - Aber es ist toll, zwischen Terminen selektieren zu müssen. Und ich freue mich so sehr bei dem Gedanken, dass ich in 2 Wochen wieder entspannen kann und Zeit habe - für mich, meinen Freund, wenn auch nur für 2 Wochen.
Danach gehe ich in eine Klinik bei Basel, um von den vielen Medikamenten, die ich gerade nehme, wegzukommen. Ambulant geht das einfach nicht, die Umstellungsversuche haben mir bis jetzt immer so sehr auf die Verfassung geschlagen, dass sie abgebrochen wurden.

Aber auch darauf freue ich mich, wieder an mir arbeiten zu können, in der Klinik. Es wird hart, aber hoffentlich auch gut.

Donnerstag, 14. März 2013

Irgendwas stimmt nicht, irgendwas brodelt, was-ist-los?
Hier in der WG fühle ich mich wohl. Das kommuniziere ich gegenüber jedem meiner Bekannten so, meiner Therapeutin, meiner Betreuerin. Das versuche ich mir selbst vorzuleben, "mir geht es doch gut hier, ich bin halt nur viel unterwegs."
Aber so ist das, wenn ich mal ehrlich zu mir bin nicht. Nachhause kommen ist für mich kein Gefühl von Geborgenheit, es macht mir Angst. Ich, in einer Wohnung mit 6 weiteren Leuten, mit denen ich seit Wochen, Monaten nichts zu tun habe. Das hier ist eine Zweck-WG, vielleicht war gerade ich der Grund dafür. Wir haben ein Pärchen, das oft zusammen kocht und einen weiteren, der sich ab und an dazu gesellt. Eben jener zieht jetzt aus, wie ich gerade erfahren habe. Derjenige, mit dem ich noch am meisten zu tun hatte. Der Auslöser für diese Reflexion.
Ich wünschte, ich könnte auf der Stelle hier weg, auf der anderen Seite weiß ich genau, dass ich im Oktober nicht mehr hier wohnen werde. Entweder danach geht es in eine andere Stadt zum studieren oder ich mache ein Auslandsjahr, was auch immer. 
Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann merke ich: es ist nicht die WG, die so schlimm ist, es ist die soziale Phobie. Wäre das Problem, dass wir aneinander vorbeileben - okay, ist halt blöd, aber ich habe eh keine Zeit für noch mehr Unternehmungen. Aber dass ich mich nicht traue auf Toilette zu gehen, weil in der Küche, durch die ich müsste, gerade jemand ist, das ist nicht normal. Ich kenne dieses Muster ganz genau, es ist mir viel zu bekannt. Es erinnert mich an die Zeit bevor meiner Aufnahme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, da habe ich das erste Mal in einer WG gewohnt. Ich hatte wirklich panische Angst vor meiner Mitbewohnerin, ich habe teilweise das Licht ausgemacht (, ich hatte eine Milchglasscheibe in meiner Tür), wenn sie nachhause gekommen ist und mich dann auf mein Bett gelegt und mich nicht mehr bewegt, aus Angst, sie bemerkt, dass ich zuhause bin.
Sicher, das war deutlich krasser, aber ich hatte genau dasselbe Vermeidungsmuster, wie gerade jetzt.
Es setzt mir unheimlich zu, anerkennen zu müssen, dass die soziale Phobie nicht einfach weg ist.
Ja, ich habe Fortschritte gemacht, ich habe ein mehr oder weniger intaktes soziales Umfeld und einen Freund, was für mich damals unvorstellbar gewesen wäre.
Keiner sieht mehr die sozial phobischen Anteile, meine Betreuerin nicht, meine Therapeutin nicht, meine Freunde nicht. Vor allem aber ich nicht. Zumindest habe ich mir das bis jetzt nicht eingestanden, weil es mich tief kränkt und hilflos macht. Meine soziale Phobie begleitet mich schon mein Leben lang, ich möchte mir nicht eingestehen, dass sie das immer noch tut.
Denn genau das hat die ganze letzte Zeit schon an mir genagt, unterbewusst. Ich habe nie wirklich die Courage gehabt, mich damit auseinanderzusetzen, habe weiterhin lächelnd versichert, dass es toll ist, in einer WG zu leben, obwohl es sich falsch anfühlte.
Den Ist-Zustand zu verbalisieren, vor allem aber überhaupt gerade zu realisieren, tut mir unheimlich weh. Die kleine Welt, in der Try seit ihrer Klinikentlassung alles immer besser hinbekommt, bekommt Kratzer ab.
Nicht alles geht straight aufwärts. Vieles ist nach wie vor ein Kraftakt, das lehrt uns: äußerer Anschein und Realität sind nicht das gleiche. Ich sollte mich nicht selbst belügen und beides gleichsetzen.

Dienstag, 12. März 2013

Meine Sätze sind einfach aufgebaut und meine Worte vermitteln nicht die Botschaft, um derer ich sie auf diese leere Seite geschrieben habe.
Nicht nur hier, allgemein ist es gerade wirklich grauenhaft. Ich habe in Deutsch 5 Punkte zurück bekommen, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Das ist eine glatte 4! Die schlechteste Note, meiner bisherigen Deutschkarriere ist eine 3+.
Und um zu vermitteln wie ich mich damit fühle, könnte ich schon wieder die verdammte alte Leier runterspielen - bei mir spielt sich gar nichts Spannendes ab.
Nächste Woche werde ich 19. Mit 19 wollte ich so viel erreicht haben. Ich wollte in Hotpants unter dem Sternenhimmel feiern, ich wollte in Bibliotheken sitzen und Stunden, Tage, Wochen über Problemen brüten, um zu dem erleuchtenden "Aha-Moment" zu kommen, der nicht nur mich erhellt, sondern auch meine Klausuren für mein BWL-Studium zu einer Kleinigkeit macht. Ich wollte einen wunderbaren Freund haben, den ich lieben kann, mit dem ich morgens um 4, vor Müdigkeit benommen, an Bahnhöfen von Städtetrips zurückkommen kann. Ich habe mir so viel erträumt, ich erträume mir immer noch, wie mein Parallel-Ich jetzt wohl leben könnte. Das klassische "Was wäre wenn...?" - Der obligatorische Vergleich mit der Realität scheint schon fast zwingende Folge der Träumereien zu sein, aber für den Moment möchte ich mir einfach vorstellen, ich wäre das, was ich mir wünsche.
Denn wir haben noch Winter, es schneit gerade und ich sitze in der warmen Unibibliothek, umringt von Studenten.
In diesem Moment ist der einzige Unterschied zwischen ihnen und mir, dass ich für mein Abitur lerne und sie für ihre Klausuren im Studium lernen.
Hoffen wir, die Illusion bewahrt mich die nächsten Stunden vor meinen Problemen und der Last, dich ich mir selbst aufgebürdet habe.



Dienstag, 12. Februar 2013

Dieses Gefühl von verloren-sein kommt immer und immer wieder und jedes Mal macht es mich unheimlich fertig. Ich würde so gerne weinen, aber ich kann nicht, weiß der Geier warum, die letztem Jahre komme ich vielleicht auf eine Hand voll Situationen, in denen ich weinen konnte.
Vielleicht ist es die Angst, die Kontrolle komplett zu verlieren und damit verbunden die Angst, Dummheiten anzustellen.

Ich will mich gerade niemandem anvertrauen. Irgendwie macht diese seltsame Konstellation zwischen meiner Therapeutin meinem Freund und mir ein Stück Geborgenheit kaputt.
Meine Therapeutin weiß inzwischen einiges von mir, worüber ich mit ihr gar nicht reden, aber mein Freund (, Urologensohn, denkt euch den Rest) erzählt einfach eine Menge mehr.
Mich stört das, ich finde das komisch, es entfremdet meine Therapeutin von mir, aber ich kann ihm ja auch nicht verbieten, über Dinge mit ihr zu reden, die ihn beschäftigen.
Meine Therapeutin ist nicht mehr die abgeschiedene Insel, die mein Leben sonst nicht berührt, sondern plötzlich schon fast aktiver Part.
Meine Therapeutin würde niemals irgendetwas, das ich ihr erzähle meinem Freund weitererzählen, wenn sie nicht mein Einverständnis hat, das weiß ich, aber trotzdem ist das extrem seltsam. Das bringt die quälende Frage nach dem, was sie von mir denkt auf ein neues Level.

Und gerade fühle ich mich einfach nur noch so isoliert. Da ist keiner, dem ich mich anvertrauen möchte.
Da ist keine Perspektive für mein Leben. Da ist nur noch das Abitur (meine Therapeutin meint, das geht jedem vorm Abi so, aber das tröstet mich kein bisschen).
Sonst ist da einfach nur noch Leere, obwohl ich doch Programm habe, mir extra Termine mache, um nicht ganz zu versacken. Ich kann auch Spaß haben, mein Leben ist nicht tiefschwarz.
Trotzdem sehe ich keinen Sinn mehr im Leben.
Ich weiß nicht woher das kommt und ich weiß ehrlich auch nicht mehr, was ich noch dagegen tun kann. Ich mache doch alles mir menschenmögliche? Es macht sich Frustration und Verzweiflung breit.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Leben kann so schön sein, so mittelprächtig und auch unheimlich grauenhaft.

Wenn ich darüber nachdenke, so habe ich doch sehr oft letzteres gedacht, nie jedoch ausgesprochen, da da immer die andere Stimme in mir leise kommentiert: das sei doch alles nur Selbstbeweihräucherung, Versumpfen im Selbstmitleid, das sei doch alles schlichtweg Show.
Nichtmal wissen oder in sich einig und aus Überzeugung sagen können, wie es mir geht.

Mal wieder so. Mal wieder dasselbe wie vor einem Jahr. Irgendwo in mir drin glaube ich nicht daran, dass ich es schaffen kann, sondern scheitere. Es scheint wie gesetzt, die Psychiatrie ist der Ort der Wiederkehr.
Es ist genauso wie vor einem Jahr, die gleichen Gedanken, der einzige Unterschied ist die Selbstverletzung.
Mein Mittel zum Zweck.
Kein Schwein wird mich einweisen oder in die Psychiatrie begleiten, weil niemand das Ausmaß begreift, das die Gedanken angenommen haben. Man sieht sie nicht, man hört sie nicht.
Kein Hilfeschrei, nur ein stummes Ich, dem äußerlich nicht mehr als kleine Schwankungen anzumerken sind.

Ich zerbreche an dem Druck, ich weiß nicht, wie ich das Abi überstehen soll. Ich habe Angst zu Versagen, ich habe genauso Angst vor dem Erfolg.
Egal was passiert, es kommt die Zeit danach, die Leere, die Ungewissheit, das Loslassen.

Ich kann mir mich nicht am Leben vorstellen, jeder einzelne Schritt ist so hart.
Bin ich nicht für dieses Leben gemacht?
Egal was passiert, ob Psychiatrie, Erfolg, Misserfolg, Planungssicherheit oder Leere, was soll ich damit?

Ich habe nur Scheinziele, deren Erreichen völlig wertlos für mich ist. Ich will auch gar nicht anders, was ist das schon Wert?

Und in meiner Verzweiflung schreibe ich der weiten Welt, wissend, dass all die Worte nur Schall und Rauch sind.

Wie kaputt kann man sein? Was hält der Mensch aus?

Samstag, 2. Februar 2013

Die Traurigkeit tut schon fast körperlich weh, ich fühle mich, als ob ich falsch auf der Welt wäre, denn ich will weg - doch nirgendwo würde ich mich wohler fühlen.
Ich will nicht getröstet werden, ich will nicht lachen, ich will mich hassen und zerstören, bis zum bitteren Ende.

Ich bin so wütend auf diese Idiotie und auf meine Destruktivität.
Nichts ist verlockender als der bitter-süße Geschmack der Depression. Depression bedeutet Erhabenheit, schon fast ein transzendales Gefühl. Dieser Scheiß ist die schlimmste Sucht, sie treibt mich in den Wahnsinn.
Therapeutin: "Müssen wir den Notfallhebel ziehen?"
Ich weiß genau, was sie meint. Und so sicher ich mir immer noch bin, dass ich das nicht BRAUCHE, so sehr wünsche ich es mir gerade doch wieder. Keine Verantwortung mehr, einfach nur noch abgeschossen schlafen, all day, all night.
Aber das geht nicht. Nicht 2,5 Monate vor dem Abi. Noch ein Jahr wiederholen stellt für meine Existenz und Psyche größere Gefahren dar, als den Scheiß durchzuziehen.

Freitag, 1. Februar 2013

Heiß, kalt, Schweißausbruch, Schütteln vor Kälte.
Scheiß Medikamentenentzug. Kein Venlafaxin mehr, dafür Solvex, hell yeah (mein Auto-Correct wollte mein "yeah" gerade mit "Death" verbessern, das Ding weiß, was in mir vorgeht, haha).
Mir ist schlecht, ich will nichts mehr außer weg sein. Keinen Bock mehr auf Essattacken, keine Lust mehr fett zu sein, keine Lust mehr auf meine Betreuerin.

Pinsel mir zentimeterdick Rouge auf die Wangen, damit niemand sieht, wie blass ich bin. Gleich zu meiner Therapeutin, darf ihr von den letzten 1,5 Fail-Wochen erzählen, davon, dass ich nicht mal mehr regelmäßig in die Schule gehe und davon dass mein Leben die letzten Tage aus Schlaf, Essen und Depression besteht.

Ich hasse es so einfallslos, so wenig wortgewandt zu posten, doch so langweilig und eindimensional wie mein Blog gerade ist, fühle ich mich auch.

Wie sagt man doch? So viel, wie ich kotzen möchte, kann ich gar nicht essen. Natürlich nur im übertragenden Sinne, denn Madame kotzt ja nicht, HAHA!!!

Mittwoch, 30. Januar 2013

Ich werde immer mehr, immer fetter, immer aufgeblähter... Und ich kann einfach nicht mehr kämpfen.
Schule (wenn überhaupt), essen, essen, schlafen, lernen, essen, schlafen, meinen Freund sehen, so ungefähr sieht mein Tagesablauf aus. Ich bin unheimlich frustriert! "Ich bin nicht gut genug" ist langsam wieder in mein alltägliches gedankliches Sprachrepertoire übergegangen.
Ich fühle mich in der Gegenwart vom meinem Freund unheimlich wohl, aber es ist irgendwie auch anstrengend, Teil des Kraftaktes Leben.
Ich fange wieder an meine schlechte Stimmung nach außen hin zu relativieren, während ich selbst mich immer weiter nach unten in meiner so vertrauten Abwärtsspirale befinde.

Ich bin so angewidert von mir. Vor allem körperlich, psychisch bemitleide ich mich noch viel zu sehr.

Dunkles Zimmer, tote Hosen, schlafen. Zu mehr fühle ich mich nicht mehr fähig.

Montag, 21. Januar 2013

Leben tut weh, das ist Gesetz, so scheint es mir.
Immer wieder geht es aufwärts, doch umso schlimmer ist der Fall. Diese kleinen Momente, die aus dem heiteren Himmel kommen, treffen mich unerwartet. Keine Zeit in die Defensive zu gehen, sondern total ausgeliefert fühle ich mich.
Und eben diese Momente fachen das Feuer des Zweifels an, das sich durch den ganzen Körper zieht, in der Brustgegend seinen Höhepunkt findet und schon fast körperlich wehtut und die Atmung einengt.

Heute ist wieder Therapiesitzung und schon beim Gedanken bekomme ich Gänsehaut. Ich bin im Moment absolut therapieresistent und das tut mir Leid um diejenigen, die mir helfen wollen. Andrerseits wünsche ich mir schon wieder so sehr, dass mich jemand aus diesem Gedankendschungel rettet, aber dass das ohne mein Zutun nicht passieren wird, ist mir leider klar.
Ich weiß gar nicht, ob ich noch leben will. So oder auch anders. Ist doch immer dasselbe, sagt die Resignation.

Samstag, 19. Januar 2013

16:00: Eure Eminenz bewegt sich aus dem hoheitlichen Bette. 6 Stunden Gammlerei, 6 Stunden Depressions-Schürerei.

Ich bin immer noch unheimlich frustriert von meinen schulischen Leistungen. Nicht nur Physik - auch Geschichte, Ethik, Deutsch, Englisch, Biologie, alles das läuft verdammt schlecht. Physik hat das ganze einfach nur nochmal um einiges getoppt.
Ich hab meine Betreuerin gestern 1,5 Stunden angepampt, weil sie mir erklären wollte, dass meine Leistungen für meine Lebenssituation super wären.
Danach bin ich heim gegangen, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen... eigentlich tut mir das echt Leid, aber ich bringe es nicht fertig, mich zu entschuldigen. Gerade auch, weil sie danach meine Therapeutin angerufen hat, die dann ihrerseits wieder versucht hat auf mich einzureden.
"Keiner deiner behandelnden Ärzte und Therapeuten hätte jemals gedacht, dass du nur überhaupt wieder in die Schule gehen kannst. Wir wussten Anfang des Jahres nicht mal, ob wir dich am Leben erhalten können."
Jaja, blabla - damit hat sie vielleicht Recht, aber ich kann mich nicht damit anfreunden, dass ich momentan so schlecht sein soll, weil ich mit Medis vollgepumpt bin. Ich weiß rein kognitiv, dass meine Leistung darunter leiden sollte... aber der andere Teil in mir ist viel lauter, schreit mich an, wie dumm ich sei, dass die Medis kaum etwas ausmachen, dass alles nur an mir liege.
Und ich bekomme diese Stimme nicht klein, ich werde schon wieder destruktiv, muss mich zusammenreißen, nicht wieder zum Laden um die Ecke zu rennen und mir Klingen zu kaufen, um meiner Fantasie ausdruck zu verleihen. Ich male mir aus, wie ich mich umbringen könnte, nur um sicher zu gehen, dass ich im Fall der Fälle nicht groß Pläne schmieden muss, sondern einfach nur Handeln kann.

Es tut mir weh, dass ich schon wieder alles Positive von mir weise, den Menschen, die mir helfen wollen die kalte Schulter zeige.
Was mich momentan ausmacht ist Destruktivität und Leistungsdruck.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Ich fühle mich so abgefuckt wie sich die Lieder von Nirvana anhören.

Physik richtig verkackt. Richtig, richtig fett verkackt - die Klausur wird bestimmt unter die 5 Punkte kommen.
Es macht mich fertig. Ich habe bestimmt 40 Zeitstunden investiert - mehr als jemals zuvor. Und die Klausur war so unglaublich schlecht - so schlecht wie niemals zuvor.
Das ist so ein Stich, es knackst mich total an. Ich fühle mich dumm, obwohl ich nur dem Druck wegen so versagt habe. Aber das interessiert meine innere Stimme einen scheiß, "dumm!" schreit sie und will keine Ruhe geben.
Meine Tage sind ein einziger Essanfall, unterbrochen von Schlaf, den ich durch 3-4-fache Nachtmedi-Ration erreiche.
Ich will nicht, dass es anders wird, denn ich habe es nicht verdient. Ich bin so sauer auf mich.

Und auf der anderen Seite immer noch so zerbrochen und erschüttert...

Das hört sich so lächerlich an, jeder hat schon mal eine Klausur verkackt, aber bisher hat das nur an mir genagt, jetzt fühlt es sich so ultimativ an.
Bis jetzt hatte ich immer nur Angst davor, alles gegeben zu haben, ohne dass es reicht. Jetzt ist es eingetroffen und so fühlt es sich auch an.

Sonntag, 13. Januar 2013

Schlaflos, aber wieder in einem einigermaßen annehmbaren Zustand - trotzdem hinterlässt der Tag ein ziemlich beunruhigendes Gefühl.
Unglaublich wie schnell ich in diese destruktiven Muster abrutschen kann. In den letzten 3 Tagen bin ich locker bei 24h Bibliotheksaufenthalt gekommen, "muss, muss, muss: lernen, die Beste sein, hungern, perfekt sein".
Ich fühl mich gerade so abgefuckt. Mein Kopf dröhnt, in Verbindung mit dem allseits beliebten Wattegefühl, mir ist übel, weil ich meine Medis, abgesehen vom Ritalin, nicht mehr genommen habe (der Rest verschlechtert ja die Konzentration, macht Heißhunger, ... - das passt ja nicht zu meinen Ansprüchen).
Noch bei meinem letzten Therapietermin vor genau 6 Tagen war alles perfekt. Das Lernen hat Spaß gemacht (, ganz ohne Leistungsdruck), ich habe mich ausgewogen ernährt, meine Stimmung war toll.

Ich fühle mich gerade so, als ob ich aus dem Traum, in dem alles toll war, wieder erwacht wäre. Ich fühle mich wie damals - "damals", als es mir so dreckig ging. Ich dachte ich wäre da durch, zumindest durchs Gröbste.
Sie kommen wieder, die Horror-Gedanken. Ich hab so Angst.
Ich will das nicht alles nochmal durchleben.

Sonntag, 6. Januar 2013

Ein kalter Schauer durchläuft meinen Körper und ich muss unwillkürlich Lächeln. Ja, in diesem Moment fühle ich mich so unbeschreiblich gut! :)