Donnerstag, 16. Mai 2013

Ich male ein schreiendes Gesicht.
"Wollen Sie nicht am Gemeinschaftsprojekt mitarbeiten?"
Nein, ich will nicht. Ich grinse das hämische Grinsen, das ich selbst so verabscheue, das an Arroganz wohl kaum zu übertreffen ist und male mit.

"Du schaust so traurig aus!"
Ich bin nicht traurig. Ich bin nie traurig.

Dienstag, 7. Mai 2013

"Every sky is blue but not for me and you."

Es ist nicht "The Force of Circumstances", wie wir es brav fürs Abi gelernt haben, die Umstände sind nämlich super.
Es hängt im Inneren, ich will nicht loslassen, vielleicht ist es noch besser so? Ich habe mich heute Mittag gequält, ich hatte nichts zu tun und genau das hat mich fertig gemacht, die Anspannung war kaum auszuhalten. Mein erster "Lösungs-"Gedanke: Shoppen
Schlechte Idee, davon will ich ja wegkommen. Essen. Mindestens genauso schlecht.
Also marschiere ich im Stechschritt zur Kunsttherapie und hole mir davor noch einen Tee, in der Hoffnung, dass der mich etwas runterbekommt.
Zwischen der Kunsttherapie und dem Jetzt liegen in ekligem, stinkendem Fett frittierte Pommes und weitere Leckereien.

Gerade schreibe ich euch von einer sonnigen Bank an einem Bach und ich muss einfach nur hämisch Grinsen.
Wieder die alte Leier, wieder eine Verhaltensanalyse schreiben, dabei könnte ich die letzten ohne Änderungen kopieren.
Diese Art von Grinsen finde ich so absurd, ich kann mich damit selbst nicht mehr ernst nehmen. "Wenn dir das Lachen noch nicht vergangen ist..."
Und genau dieser Gedanke treibt mich in immer ausartendere Selbstzerstörung, nur um mir zu beweisen, wie sehr ich mich hasse.
Um mir zu zeigen, dass ich diese Behandlung in Anspruch nehmen darf.
Oh, bei diesem Gedankengang wird meine Lache noch etwas breiter. Es ist ja schon fast, als würden 2 Charaktere in mir vereint sein, die permanent bewerten,
kommentieren, agieren.

"You're always ahead of the game, I drag behind."


Montag, 6. Mai 2013

Dingdong, 19:15.
Komasaufen mit Orangensaft, wie viel geht noch? Ach, ein halber Liter passt noch, noch einer, noch einer!
Friedenweiler hat nichtmal einen Supermarkt und in der Kantine der Klinik ist während der Essensausgabe kein unbemerkter Essanfall möglich - also nehmen wir doch die lieben, 24/7 zur Verfügung stehenden Säfte, yay.

Ich fühl mich so lachhaft hier. Ich bin nicht mehr so krank wie damals. Mir geht es nicht mehr so schlecht, wie es den meisten anderen hier und trotzdem strebe ich das Negative an. Ich bin klar im Kopf, nicht mehr verschleiert und vernebelt.
Ich würde mich trotz oder gerade deswegen so gerne wieder in die Arme der Medikamente fallen lassen, ich möchte benebelt in der Welt der Benzodiazepine umherwandeln. Das wäre so viel einfacher. Keine Probleme mehr mit Sexualität, keine Studienwahl, kein Haushalt mehr, der geführt werden muss. Ich mache genau dasselbe, wie der Rest der Gesellschaft. Ich verkläre die Depression, mystifiziere sie und romantisiere sie.
Der Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zu den meisten ganz genau weiß, wie sie sich anfühlt.

Oh, ich wünschte, ich könnte die Vergangenheit gehen lassen, ich wünschte, ich könnte Altes loslassen.
Noch ein Gläschen O-Saft, Cheers.

Freitag, 3. Mai 2013

11:00 Ankunft im 200-Seelen-Dorf Friedenweiler. Klinikzeit. Der Atersschnitt hier ist bombastisch, ich hab bis jetzt genau eine Person gesehen, die auch nur annähernd in meinem Alter ist, schätze ihn so auf 25 - die Sympathiewerte für ihn halten sich stark in Grenzen.

Ich weiß echt nicht, was ich hier tun soll, heute, an meinem ersten Tag, darf ich nichtmal das Klinikgelände verlassen.
Stimmung kriecht am Boden entlang, hoffen wir mal, dass meine Depression den Braten nicht wittert.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Kann man überhaupt schön sein, wenn man so vernarbt ist, wie ich?
Mein Gewicht ist variabel, meine Blässe weicht Sonnenstrahlen, meine Narben bleiben.
Ich will nicht immer wieder diese "böse Überraschung" offenbaren müssen.
Ich fühle mich für mein Leben entstellt, so hässlich, unwiederbringlich ist sie, meine Unversehrtheit...